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Mohamed Sifaoui
Brüder des Terrors; Ich war Mitglied einer Al-Qaida-Zelle


von Linda Say

Für meine Rezension habe ich mir das Werk von Mohamed Sifaoui mit dem Titel „Brüder des Terrors; Ich war Mitglied einer Al- Qaida- Zelle“ ausgesucht, da ich mich oft mit dem Thema Terrorismus beschäftige. Im Folgenden informiere ich über den Autor und fasse zusammen, worum es in seinem Buch geht. Außerdem gehe ich auf ein Kapitel genauer ein, um potentiellen Lesern einen Einblick zu verschaffen. Meine Kritik werde ich am Ende der Rezension einfügen.

Autor:

Mohamed Sifaoui, ein Moselm algerischer Abstammung, musste im Jahre 1999 seine Heimat aus politischen Gründen verlassen und lebt seitdem mit seiner Familie als Journalist und Autor in Frankreich. Er schreibt für Marianne und den Fernsehsender France 2 und hat bereits zwei Bücher zum Thema des islamistischen Terrors in Frankreich veröffentlicht. Sifaoui selbst ist nur knapp einem Terroranschlag, welcher sich ganz in der Nähe seiner Redaktion ereignet hatte, entgangen. Dabei kam eine Vielzahl seiner geschätzten Freunde und Kollegen ums Leben. Daraufhin beschloss er seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen, indem er begann, Recherchen zu diesem Buch durchzuführen, jedoch nicht aus „Ruhmsucht“, sondern „aus Überzeugung“. Mit „Brüder des Terrors“ ruft er Menschen dazu auf, nicht zwischen „gemäßigten Muslimen“ und „radikalen Islamisten“ zu unterscheiden, sondern, wie er sebst auch, den muslimischen Fundamentalismus als eine Ideologie zu verdammen, die den gemeinen Terrorismus hervorbringt.

Inhalt:

Der Journalist Mohamed Sifaoui verfolgt den Prozess gegen zwei Islamisten, die an Anschlägen auf die französische Hauptstadt beteiligt sind, aus privaten als auch beruflichen Gründen. Im Gerichtssaal fallen ihm Islamisten auf, die die Angeklagten demonstrativ unterstützen. Einen von ihnen lernt er persönlich kennen, indem er sich als Islamist und gleichzeitig einen „Bruder“ mit einem falschen Namen ausgibt, da er als Publizist bekannt und in den islamistischen Kreisen verhasst ist ,da er sich in all seinen Publikationen gegen den Islamismus und den Terror äußert. Durch Zufall stellt sich heraus, dass dieser Islamist ein alter Schulkollege ist, der mittlerweile Mitglied einer islamistischen, eng mit der Al-Qaida vernetzten Terrorgruppe ist. Glücklicherweise kann sich dieser aber nicht an Sifaoui's Namen erinnern. Durch diese alte Bekanntschaft schafft er es, seine neue Identität als fundamentalistischer Islamist glaubhaft zu machen und gewinnt soviel Vertrauen seitens der „Brüder“, dass er durch den alten Bekannten weiterhin immer wieder neue Islamisten kennenlernen kann. Das Ziel des Autors ist, bis in das Herz einer Terrorzelle vorzudringen um an wichtige Informationen zu gelangen, welche mit dem Anschlägen auf die Hauptstadt Frankreichs zusammenhängen. Anfangs sprechen sie nur über den Islam und dessen Ideologien, über den dschihad (den heilige Krieg) sowie über den verhassten Westen und die „Heldentaten der Märtyrer“. Es fällt dem Autor nicht leicht, sich positiv, ja sogar fanatisch überzeugt von den Ansichten der Islamisten zu äußern, hat er doch bisher in all seinen Werken gerade diese zutiefst verurteilt. Er beginnt zum Schein, für diese Vereinigung zu arbeiten und zeichnet dabei viele der heimlichen Treffen mit verstecktem Tonband auf. Ständig von der Angst, enttarnt zu werden, begleitet, tappt er oft in brenzlige Situationen, kommt jedoch mit dem Schrecken davon. Ihm gelingt es, sich innerhalb weniger Wochen völlig ungehindert in Islamistenkreisen zu bewegen und ihre Doppelzüngigkeit zu durchschauen. Mit letzterer ist gemeint, dass Islamisten gegenüber Medien und der Öffentlichkeit den Schein wahren, ihre wirklichen Ziele und Gedanken aber verbergen, welches sich auch takiya nennt. Mohamed Sifaoui hält den Kontakt bis zum 20. Januar 2003 aufrecht, das Datum der Veröffentlichung dieses Buches. Außerdem arbeitet er währenddessen an Reportagen und interviewt seine „Brüder“ unter falschem Vorwand für diese. In dieser Zeitspanne von drei Monaten werden viele der Islamisten, mit welchen er in Kontakt kommt, verhaftet. Keiner von ihnen schöpft auch nur den geringsten Verdacht und findet die wahre Identität des Autors heraus. Sifaoui isst, trinkt, diskutiert, betet und lacht mit den Islamisten, den „potentiellen Terroristen“, ist aber, wie er im Buch ausdrücklich erwähnt, „keine Sekunde für ihre Reden und Ideen empfänglich“.Seine Abenteuer bestätigen seine Einschätzungen über den Islamismus und er hält den Fundamentalismus als eine „Geißel, die ausgerottet gehört, eine Form des Faschismus, die bekämpft werden muss“.


Zusammenfassung des Kapitels: „Donnerstag, 7.Nov. 2002“:

Mohamed Sifaoui, bei den „Brüdern“ bekannt als Dschamel Mostaghanemi, soll sich wieder einmal mit dem Islamisten Karim treffen, den er im Gerichtssaal getroffen hatte, welcher ein alter Schulkollege von ihm ist. Wie gewohnt trifft er alle Sicherheitsvorkehrungen um nicht erkannt zu werden, indem er alle Ausweispapiere zu Hause lässt, abgesehen von einer Monatsmarke, die auf seinen falschen Namen ausgestellt ist. Außerdem nimmt er seinen Ehering ab und trägt nun seine Armbanduhr auf der rechten Hand, da die Islamisten die Zeit für heilig ansehen und die linke Hand „unrein“ ist. Seit über einem Monat rasiert sich „Dschamel“ nicht und sieht seinen „Brüdern“ allmählich immer ähnlicher. Er weiß, dass sich auch andere Islamisten in der Wohnung Karims aufhalten und hat Angst, von einen von ihnen erkannt zu werden. Seine Angst legt sich, als er die Wohnung betritt, da ihn niemand kennt. Karim erinnert „Dschamel“ wiedereinmal daran, ihnen zu helfen, „Spenden für die inhaftierten Brüder“ zu sammeln und all seine Bekannten aufzufordern Geld zu spenden. Karim rät ihm dabei folgendes: „Wenn es sich um Brüder handelt, sagst du, dass es für die Inhaftierten ist. Und gegenüber Ungläubigen behauptest du, es sei für die Armen.“. Natürlich gibt er vor, jenes auch zu tun ,denkt aber in Wirklichkeit keine Sekunde daran. Sifaoui hat soeben herausgefunden, dass ein Teil des Geldes für eine geheime Sache über Karim läuft, um Fundamentalisten zu unterstützen, die wegen terroristischer Betätigung im Gefängnis saßen. Als die Besucher sich verabschieden, bleibt „Dschamel“ mit Karim alleine. Nachdem sie sich kurz die Aufnahme einer Reportage ansehen, reden sie wieder über bin Laden, den dschihad und die Religion, dabei merkt Sifaoui, dass sich Karim nur vage über seine eigenen Aufgaben und Vorhaben ihm gegenüber äußert, ihn aber andererseits mit Fragen über Diplomaten und berühmte Persönlichkeiten bombardierte. Sifaoui wird klar, dass er es mit Aktivisten zu tun hat, die mit Al-Qaida unter einer Decke stecken und Karim und andere „Brüder“ sich um die Logistik kümmern, die man im Umfeld terroristischer Aktionen benötigt. Die Zelle sammelt Geld und Informationen und versucht durch ideologische Schulung und Indoktrination neue Anhänger zu gewinnen. Der Autor weiß mittlerweile, dass Karim auswärtige „Brüder“ empfing und ihnen Unterschlupf sowie falsche Papiere besorgt. Somit ist Karim auch ein Mitglied einer Terrorzelle. Mohamed ist sich bewusst, wie gefährlich die Situation für ihn ist und beschließt für wenigstens einen Tag Abstand zu gewinnen um über alles nachdenken zu können...


Meine Kritik:
Ich halte das Werk Sifaoui's für sehr interessant, da er aufgrund seiner Erlebnisse genau beschreibt, wie es ist, mit Leute zu verkehren, welche einer Terrorzelle angehören. Dem Leser wird bewusst, dass sich der Autor in Gefahr bringt, welches zum Weiterlesen anregt. Jedoch hat das Buch keinen Höhepunkt, da der Ablauf immer ähnlich verläuft, was den Leser wiederum enttäuschen mag. Da das Buch auf wahrer Begebenheit beruht, kann man dies jedoch nicht verurteilen. Die Publikation ist leicht zu lesen und zu verstehen, außerdem werden Begriffe wie „dschihad“, die heutzutage oft vorkommen, erklärt wie nicht zuletzt unbekannte Begriffe. Da Islamisten sowie Fundamentalisten sehr „überzeugend“ sein können, finde ich es bewundernswert, dass sich der Autor von seinen Ansichten und Wertvortsellungen nicht abbringen ließ. Auch die Sicherheitsmaßnahmen, an die er täglich denken musste, deutet darauf hin, wie klug und genau er sich seinem Vorhaben, nämlich bis in das Herz der Terrorzelle vorzudringen, widmete. Mir fällt auch auf, dass Mohamed Sifaoui provokante Argumente liefert, welche man als Streitfragen aufbringen könnte: z.B:

„Nicht die Ruhmsucht trieb mich dazu, mich und meine Familie solchen Gefahren auszusetzen [...] Ich tat es [...] aus Überzeugug. Aus einer Überzeugung, die jedes Mal bestärkt wird, wenn ich auf den Seiten bestimmter Medien wieder lesen muss, wie Gräueltaten der Islamisten geleugnet werden oder der Terrorismus gerechtfertigt wird. Die jedes Mal bestärkt wird, wenn ich einen dieser obszönen „Menschenrechtsverteidiger“ höre, die fast schon dem Opfer die Schuld geben und Mitleid mit dem Henker empfinden. Durch ein derartiges Verhalten gelang es Hitler, zuerst die Macht zu ergreifen, dann einen Krieg vom Zaun zu brechen und schließlich Millionen Juden umzubringen weil sie Juden waren.“(S. 9/10)

Ich denke, dass dieser Absatz im Vorwort zu Kritik führen wird. Für mich persönlich haben sich auch einige Ansichten und Vorurteile, die ich gegenüber Fundamentalisten und Islamisten habe, bestätigt. Diese sind jene, die Sifaoui im Epilog erwähnt: „Ich konnte unter den Leuten leben, die ich seit je bekämpfe, und erkennen wie völlig verkorkst ihre Denkweise ist: Diese Menschen schaffen es nicht, Andersartigkeit zu akzeptieren, sie lehnen jeden Dialog ab und sind unfähig, Andersdenkende als Menschen wahrzunehmen.“ (S. 174)

Ich rate, jenen die an dem Phänomen „Terror“ interessiert sind, dieses Buch zu lesen und sich die eigene Meinung zu dem Autor, seinen Erlebnissen und vor allem den Fundamentalisten und Islamisten, die vorkommen, zu bilden.
 

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