Raid Sabbah
"Der Tod ist ein Geschenk"
von Dalia Abdelshafi
Aus welchem Grund und welche Verzweiflung führen einen Menschen dazu sich selbst in die Luft zu sprengen?
Wie muss man sich fühlen, wenn der letzte Ausweg eines scheinbar endlosen Konfliktes mit der Opferung der eigenen Seele enden soll?
Reicht es zu wissen, dass sogenannte Selbstmordattentäter Märtyer sind, oder bedarf es, die Welt mit den Augen jener Person zu sehen um seine Gedanken und Gefühle zu kennen, und zu verstehen warum der Tod die bestmögliche Lösung zu scheinen mag?
Sind diese Menschen morallose , religionsbesessene Islamisten, welche Unschuldige Menschen mit sich in den Tod reißen, oder sind sie selbst Opfer einer langjährigen Okkupationspolitik?
Erstmals gibt ein Selbstmordattentäter in einem Buch so viel von sich preis.
Raid Kassab Abdallah Sabbah, geboren 1973 am Bodensee, arbeitet als Journalist, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer.
Seine Familie stammt aus Dschenin im Westjordanland, welches heute eines der größten Flüchtlingslager für vertriebene Palästinenser ist.
Dsas er selbst Palästinenser ist hat ihm den Zugang zu seinen Informationen ein wenig erleichtert, und er konnte einem palästinensischen "Shahid" Märtyrer so nahe kommen wie keiner vor ihm.
Über komplizierte Verbindungen zum Führer des Dschihad Al Islami hat er zu "Said", die Hauptperson des Buches, Kontakt bekommen.
Er hat lange Gespräche, unter strikten Sicherheitsvorkehrungen mit ihm geführt und zeichnet den Weg seiner "Radikalisierung" nach.
In diesem Buch erzählt er Saids Geschichte, welcher ein durchschnittlicher, 29 jähriger Palästinenser ist, der in den Flüchtligslagern von Dschenin lebte.
Said ist nicht sein wirklicher Name, denn er möchte seine Identität geheim halten.
Die Geschichte verläuft in der Ich-Form, Dazwischen streut er immer wieder Passagen ein ,mit Information und Anmerkungen zu politischen Entwicklungen, um zu zeigen wie politische Ereignisse mit dem Alltagsleben zusammenhängen.
In seiner Kindheit vertrieben jüdische Siedler Saids Eltern von dem Land, das sie damals bewirtschafteten. Eine gewisse Wut die sich im Laufe der Jahre im Volk aufstaut, entlädt sich in der ersten Intifada 1987.
Zu dieser Zeit war Said 15 Jahre alt ,und er kämpfte ,wie manch andere in seinem Alter, mit Steinen gegen Kugeln. Im selben Jahr wurde sein Vater verhaftet und fast zu Tode gefoltert, ein Jahr danach wurde seine Mutter erschossen. Wenig später kam er selbst ins Gefängnis.
Said sagt : "Wir haben nichts. Weder Fahrzeuge noch Panzer, geschweige denn Flugzeuge, mit denen wir einen Krieg gegen die israelische Armee und für einen souveränen palästinensischen Staat führen könnten. Wir haben nur unsere Körper. Das sind unsere einzigen Waffen."
Mit 29 Jahren beschließt er, Selbstmordattentäter zu werden.
Der Tod erscheint ihm als einzige Hoffnung auf ein besseres Leben.
"Seit jenem Tag halte ich mich nun zu Verfügung. Ich warte darauf, eine Bombe zu bekommen , sie mir umzuschnallen , um nach Israel zu meinem Einsatzort zu fahren und dort den Auslöser zu drücken. Es gibt kein Zurück. Niemand will zurück"
Die letzten dreißig Jahre des israelischen-palästinensischen Konflikts sind mit "Saids" Geschichte verwoben. Deutlich wird, wie eines das andere bedingt. Das Leben des Märtyrers ist jedoch ohne diesen Zeithintergrund nicht zu verstehen, und die fortwährende Eskalation des Konflikts ist nur auf dem Hintergrund von solchen Erfahrungen möglich.
Sabbah gelingt es die Motive der Selbstmordattentäter sichtbar zu machen, ohne Verständnis für ihre Taten wecken zu wollen.
Die Schilderung der Foltermethoden des israelischen Militärs sind nicht überzogen, und sie erklären dem Leser die jeweilige politische Situation.
Nicht immer ist er dabei neutral, stets scheint seine pro-palästinensische Sichtweise durch und dadurch ist oft zu erkennen, dass in jeder Zeile ein wenig die Stimme des Autors durchschimmere und weniger die von "Said".
Denoch ensteht durch diese Nähe ein aufschlussreiches Psychogramm eines Selbstmordattentäters , der den Tod als Geschenk betrachtet.
Raid Sabbah
Der Tod ist ein Geschenk, die Geschichte eines Selbstmordattentäters
253 S.,€ 20 (Droemer Verlag, München)
"Der Tod ist ein Geschenk"
von Dalia Abdelshafi
Aus welchem Grund und welche Verzweiflung führen einen Menschen dazu sich selbst in die Luft zu sprengen?
Wie muss man sich fühlen, wenn der letzte Ausweg eines scheinbar endlosen Konfliktes mit der Opferung der eigenen Seele enden soll?
Reicht es zu wissen, dass sogenannte Selbstmordattentäter Märtyer sind, oder bedarf es, die Welt mit den Augen jener Person zu sehen um seine Gedanken und Gefühle zu kennen, und zu verstehen warum der Tod die bestmögliche Lösung zu scheinen mag?
Sind diese Menschen morallose , religionsbesessene Islamisten, welche Unschuldige Menschen mit sich in den Tod reißen, oder sind sie selbst Opfer einer langjährigen Okkupationspolitik?
Erstmals gibt ein Selbstmordattentäter in einem Buch so viel von sich preis.
Raid Kassab Abdallah Sabbah, geboren 1973 am Bodensee, arbeitet als Journalist, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer.
Seine Familie stammt aus Dschenin im Westjordanland, welches heute eines der größten Flüchtlingslager für vertriebene Palästinenser ist.
Dsas er selbst Palästinenser ist hat ihm den Zugang zu seinen Informationen ein wenig erleichtert, und er konnte einem palästinensischen "Shahid" Märtyrer so nahe kommen wie keiner vor ihm.
Über komplizierte Verbindungen zum Führer des Dschihad Al Islami hat er zu "Said", die Hauptperson des Buches, Kontakt bekommen.
Er hat lange Gespräche, unter strikten Sicherheitsvorkehrungen mit ihm geführt und zeichnet den Weg seiner "Radikalisierung" nach.
In diesem Buch erzählt er Saids Geschichte, welcher ein durchschnittlicher, 29 jähriger Palästinenser ist, der in den Flüchtligslagern von Dschenin lebte.
Said ist nicht sein wirklicher Name, denn er möchte seine Identität geheim halten.
Die Geschichte verläuft in der Ich-Form, Dazwischen streut er immer wieder Passagen ein ,mit Information und Anmerkungen zu politischen Entwicklungen, um zu zeigen wie politische Ereignisse mit dem Alltagsleben zusammenhängen.
In seiner Kindheit vertrieben jüdische Siedler Saids Eltern von dem Land, das sie damals bewirtschafteten. Eine gewisse Wut die sich im Laufe der Jahre im Volk aufstaut, entlädt sich in der ersten Intifada 1987.
Zu dieser Zeit war Said 15 Jahre alt ,und er kämpfte ,wie manch andere in seinem Alter, mit Steinen gegen Kugeln. Im selben Jahr wurde sein Vater verhaftet und fast zu Tode gefoltert, ein Jahr danach wurde seine Mutter erschossen. Wenig später kam er selbst ins Gefängnis.
Said sagt : "Wir haben nichts. Weder Fahrzeuge noch Panzer, geschweige denn Flugzeuge, mit denen wir einen Krieg gegen die israelische Armee und für einen souveränen palästinensischen Staat führen könnten. Wir haben nur unsere Körper. Das sind unsere einzigen Waffen."
Mit 29 Jahren beschließt er, Selbstmordattentäter zu werden.
Der Tod erscheint ihm als einzige Hoffnung auf ein besseres Leben.
"Seit jenem Tag halte ich mich nun zu Verfügung. Ich warte darauf, eine Bombe zu bekommen , sie mir umzuschnallen , um nach Israel zu meinem Einsatzort zu fahren und dort den Auslöser zu drücken. Es gibt kein Zurück. Niemand will zurück"
Die letzten dreißig Jahre des israelischen-palästinensischen Konflikts sind mit "Saids" Geschichte verwoben. Deutlich wird, wie eines das andere bedingt. Das Leben des Märtyrers ist jedoch ohne diesen Zeithintergrund nicht zu verstehen, und die fortwährende Eskalation des Konflikts ist nur auf dem Hintergrund von solchen Erfahrungen möglich.
Sabbah gelingt es die Motive der Selbstmordattentäter sichtbar zu machen, ohne Verständnis für ihre Taten wecken zu wollen.
Die Schilderung der Foltermethoden des israelischen Militärs sind nicht überzogen, und sie erklären dem Leser die jeweilige politische Situation.
Nicht immer ist er dabei neutral, stets scheint seine pro-palästinensische Sichtweise durch und dadurch ist oft zu erkennen, dass in jeder Zeile ein wenig die Stimme des Autors durchschimmere und weniger die von "Said".
Denoch ensteht durch diese Nähe ein aufschlussreiches Psychogramm eines Selbstmordattentäters , der den Tod als Geschenk betrachtet.
Raid Sabbah
Der Tod ist ein Geschenk, die Geschichte eines Selbstmordattentäters
253 S.,€ 20 (Droemer Verlag, München)
bagarozy10 - am Donnerstag, 24. Juni 2004, 00:11