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Michael Moore
Stupid White Men


von Carmen Hafner

Das hier rezensierte Buch, dessen voller Titel “Stupid White Men – Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush“ lautet, umfasst 329 Seiten und erschien in der 7. Auflage im Jahr 2002 in der deutschen Ausgabe der Piper Verlag GmbH.

Es richtet sich vornehmlich gegen die politische Elite Amerikas, gegen die dortige Rassendiskriminierung und die herrschende soziale Kälte.

Der Autor des Buches, Michael Moore, wurde am 23. April 1954 in Flint (Michigan, USA) geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Schauspielausbildung und engagierte sich später auch in Journalismus und Verlagswesen (er trat als Herausgeber der Zeitung „Flint Voice“ in Erscheinung). Heute ist Moore jedoch aufgrund seines satirischen, engagierten Stils als Autor wie auch als Dokumentarfilmer bekannt.

Mit der Unterstützung des Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader der Amerikanischen Grünen Partei im Jahr 2000 profilierte er sich in der Öffentlichkeit als größter Gegner George W. Bushs. Dies bringt er sowohl in seinen Büchern („Dude, Where´s my country“), als auch in seinen Filmen („Fahrenheit 9/11“; dieser gewann jüngst beim Filmfestival in Cannes 2004 die „Goldene Palme“) zum Ausdruck. Der Durchbruch gelang ihm mit dem Buch „Stupid White Men“, einem Bestseller nicht nur im englischsprachigen Raum, und mit dem Film „Bowling for Columbine“, der 2003 den Oscar für den besten Dokumentarfilm erhielt.

Diese journalistische Auseinandersetzung mit Bushs Amerika ist mehr oder weniger übersichtlich gegliedert; beim bloßen Durchlesen des Inhaltsverzeichnisses ist es schwierig herauszufinden, was inhaltlich wohl in dem Buch behandelt sein mag. Nach dem Lesen der einzelnen Kapitel erscheint die Auswahl der Titel aber zumeist äußerst trefflich.

So behandelt zum Beispiel das erste Kapitel mit dem Namen „Ein sehr amerikanischer Coup“ George W. Bushs Wahlsieg, oder Wahlbetrug, wie Moore diesen zu nennen pflegt, ausführlich und der/die Leser/in erfährt zum Teil unglaubliche Details über das Wahlgeschehen im Jahr 2000. Im Anschluss daran werden die wichtigsten politischen Akteure samt ihrer auffälligsten Schandtaten aufgelistet; etwas störend mag die Tatsache sein, dass deren – wenn auch seltenes – positives Schaffen völlig außer Acht gelassen wurde. Danach folgt ein fiktiver Brief an den Präsidenten („Lieber George“), indem auch an diesem kein gutes Haar gelassen wird, und man erfährt von seinen „Leistungen“ in der bisherigen Amtszeit. Das darauf folgende Kapitel ist der sozialen Lage Amerikas im Allgemeinen gewidmet. Danach erzählt Moore Erschreckendes über Rassismus in Amerika – besonders Schwarzen gegenüber – und gibt sowohl Überlebenstipps für das weiße Amerika als auch welche für Schwarze, alles natürlich dargestellt mit einer gehörigen Portion Zynismus. Zur „Nation der Dummköpfe“, dem 5. Kapitel, bleibt nicht sehr viel zu sagen, da hier der Titel für sich spricht. Moore schildert auf 38 Seiten, wie dumm sowohl die amerikanischen Bürger, als auch deren Oberhäupter tatsächlich sind. Im nächsten Kapitel gilt es, sich mit der Ökologie Amerikas auseinanderzusetzen; Umweltverschmutzung im weitesten Sinne ist dessen Inhalt. Im Anschluss daran präsentiert der Autor – teilweise sogar statistisch gestützte! – Daten, die veranschaulichen, dass „Das Ende des Mannes“ tatsächlich naht, gibt den Männern Überlebenstipps und zeigt den Frauen, wie sie auch ohne diese weiterleben können. In dem Kapitel „Wir sind die Nummer Eins“ zeigt Moore die traurige Tatsache auf, dass Amerika in vielen äußerst unerfreulichen Kategorien (z.B. Todesopfer durch Feuerwaffen, Ölverbrauch) den Platz an der Spitze sein Eigen nennen kann. Im Anschluss daran sammelt er ein paar Vorschläge zur Herbeiführung des Weltfriedens, beginnend beim Nahen Osten, Nordirland, dem ehemaligen Jugoslawien und Nordkorea. Das folgende Kapitel ist eines der für mich schockierendsten; es deckt die Missstände des amerikanischen Justizsystems auf und veranschaulicht diese anhand einiger wirklich erschreckender Beispiele. „Demokraten, ein hoffnungsloser Fall“ behandelt die Beziehung zwischen Demokraten und Republikanern, die man nach der Lektüre für weitaus weniger distanziert als bisher angenommen halten wird. Zum Schluss erzählt Moore noch einige wenige Geschichten aus den Leben reicher Amerikaner, die zeigen, dass eine Menge Themen sie erst dann kümmert, wenn sie selbst unmittelbar davon betroffen sind (Dick Cheney z. B. stoppte Initiativen gegen Homosexuelle, nachdem er erfuhr, dass seine Tochter lesbisch ist). Im Epilog verrät Michael Moore etwas über seine unmittelbare Involvierung in das Wahlgeschehen des Jahres 2000. (Wie bereits zu Beginn erwähnt, unterstützte er den Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader; für diesen trat er auch öffentlich ein, ebenso stellte er sich öffentlich – und in realen Konfrontationen mit den Bush-Brüdern – gegen Bush, was positive wie negative Auswirkungen zur Folge hatte.)

Diesen Überblick über Moores Werk zu geben hielt ich für absolut notwendig, da mir ebendieser anfangs fehlte. Ich mag es, gleich zu Beginn, wenn auch nur ungefähr, erahnen zu können, was mich beim Lesen eines Buches erwartet; dies war jedoch weder mit Hilfe des Klappentextes, noch mit der des Inhaltsverzeichnisses – wie weiter oben schon erwähnt - ein Leichtes. Auch ist es teilweise so, dass die Reihung der Kapitel aneinander etwas willkürlich auf mich wirkt und keinen deutlichen Zusammenhang erkennen lässt.

Ansonsten kann ich getrost sagen, dass ich mehr als positiv von diesem Buch überrascht bin. Es war nach langem Suchen endlich wieder einmal ein Buch, das mich dermaßen fesselte, dass ich es sämtlichen anderen Freuden des Alltags vorzog, darin weiter zu lesen.

Vermutlich ist der Grund hierfür die Tatsache, dass dieses Buch wie ein erschütternder, ernüchternder – man mag diese Wortwahl übertrieben nennen – Katastrophenbericht wirkt, der mit extrem bissigem Humor verfasst wurde. Katastrophenbericht deshalb, weil es von Beginn an die katastrophalen Zustände der gesamten amerikanischen Nation aufdeckt, beginnend bei der Wahl des Präsidenten. Man müsste doch meinen, dass es gerade dem Sinnbild westlicher Welt, der Weltmacht USA, nicht nur möglich, sondern geradezu obligat sein sollte, dem Rest der Welt gemäß ihrer Vorbildfunktion zu zeigen, wie fair eine zivilisierte, demokratische Wahl ablaufen könnte. Und um ehrlich zu sein habe ich bis ich dieses Buch in die Hände bekam, nicht an der Rechtmäßigkeit ebendieser Wahl gezweifelt. Nun aber war ich so schockiert, dass ich regelrecht an der Wahrheit des von Moore Geschriebenen zweifelte und sogar Freunde befragte, ob ich denn all das wirklich glauben könne. Obwohl mir in der Folge bestätigt wurde, dass all die unglaublichen Fakten in diesem Buch angeblich wirklich der Wahrheit entsprächen, zweifle ich zugegebenermaßen immer noch etwas. Kann es denn wirklich sein, dass eine Korruption von diesen Ausmaß nicht bis zu mir vorgedrungen wäre? Aber ich werde dem Ganzen wohl einfach Glauben schenken, was sich ganz einfach darin begründen lässt, dass viele andere Dinge, die in Moores Werk behandelt werden, zwar ebenso unglaublich klingen (wer glaubt schon gerne, dass z. B. der Präsident einer Weltmacht größte Schwierigkeiten mit den Namen sämtlicher Staatsführer hat…), aber leider nun mal wahr sind.

Letztendlich bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich dieses nicht nur vom Stil her äußerst gelungene Buch auch Menschen weiterempfehlen würde, die sich nicht aus speziellen Interessensgründen mit dieser Sachlage beschäftigen möchten, da ich es gewissermaßen als Pflicht jedes Bürgers sehe, sich zumindest sporadisch über das Weltgeschehen zu informieren, was gerade mit einem bitter-komischen Werk wie diesem eine Freude sein kann. Abgesehen davon ist es aber meines Erachtens nach empfehlenswert, weitere Literatur zum Thema heranzuziehen, bevor man sich auf die einseitigen Ansichten Michael Moores versteift. Vermutlich hat er ja recht, aber es fällt mir als Mensch mit einer gewissen Naivität und Gutgläubigkeit einfach alles andere als leicht, zu glauben, dass der Mann an der Spitze einer, bzw. der, Weltmacht ein vollkommener Versager sein soll…
 

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