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Paul Watzlawick (Hrsg.)
Die erfundene Wirklichkeit – Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben?


von Andreas Krist

Als ich mich im meinem Zimmer umsah, um die Übung des Tutoriums zu bearbeiten, fiel meine Wahl auf dieses Buch, „ Die erfundene Wirklichkeit “. Das Buch unterscheidet sich von vielen anderen Büchern, da es von namhaften Wissenschaftlern der verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten (Psychatrie, Philosohie, Mathematik, ...) geschrieben wurde. Insgesamt neun Wissenschaftler verfassen Texte für dieses Buch, das von Paul Watzlawick herausgegeben wurde und er diesen tapferen 9 Forschern sozusagen ein Podium zur Vorstellung ihrer Sicht wie gesellschaftliche, wissenschaftliche und individuelle Wirklichkeiten geschaffen hat. Die Namen der Autoren der Texte sind: Ernst von Glaserfeld, Heinz von Foerster, Rupert Riedl, David L. Rosenhan, Rolf Breuer, Jon Elster, Gabriel Stolzenberg, Francisco Varela und natürlich Paul Watzlawick. Die Wissenschaftler fragen, wie wir wissen, was wir wissen, und beschreiben in so verschiedenen Gebieten wie Psychatrie, Philosophie, Mathematik und Neurophysiologie die Rolle selbsterfüllender Prophezeiungen und idealistischer Annahmen beim Erschaffen der Wirklichkeit.

Dadurch, dass Watzlawick viele Gleich- und Ähnlichdenkende zu Wort kommen lässt, kommt nicht das Gefühl auf, einen subjektiven Erfahrungsbericht zu lesen. Man hat viel eher das Gefühl den Schreibenden zu vertrauen und taucht in die weite Welt des Konstruktivismus ein. Das Buch erklärt zu aller erst einmal was der Konstruktivismus eigentlich ist ("Der Konstruktivismus erschafft oder 'erklärt' keine Wirklichkeit 'da draußen', sondern enthüllt, dass es kein Innen und Außen gibt, keine Welt der dem Subjekt gegenüberstehenden Subjekte." Paul Watzlawick) und wie weit verstreut dieser Begriff in den Wissenschaften ist. Überrascht war ich auch von der Schreibweise der einzelnen Wissenschaftler, bzw. die Art und Weise wie sie an diese Materie herangegangen sind. Schon nach den ersten Seiten konnte ich mein Vorurteil, das ich gegenüber dem Buch hatte ad acta legen, da ich befürchtete, dass dies ein eher theoretisch angehauchtes Buch ist. Aber die Theorie wird in den meisten Fällen durch ein sehr verständliches Praxisbeispiel ergänzt. Auch der ein oder andere Test zum selbst ausprobieren findet hier sogar Platz. So kommt man nie auf den Gedanken, das Buch auf die Seite zu legen, da man sich nicht in den Weiten der Theorie verirrt.

Dennoch glaube ich, nein, ich muss fast schon sagen, befürchte ich, dass dieses Buch nicht nur Freunde haben wird. Da der Konstruktivismus die einzige Philosophie ist, die radikal alles und somit auch sich selbst in Frage stellt, werden sicher auch sehr viele kritische Worte in Bezug auf dieses Buch fallen. Ein Punkt, der mir negativ aufgefallen ist, war die Tatsache, dass die einzelnen Beispiele bzw. die praktischen Modelle und Abbildungen nicht mehr auf dem letzten Stand der Dinge zu sein scheinen. Da das Buch in seiner ersten Auflage schon im Januar 1985 erschienen ist und sich mittlerweile in seiner 16. Auflage befindet, diese aber nie wirklich überarbeitet bzw. mit neueren praktischen Modellen ergänzt wurde, dürfte das Buch möglicherweise nicht mehr das Aktuellste seiner Zunft sein. Auf der anderen Seite machen gerade diese Beispiele diese Spannung aus und wegen des Interesses an dieser Materie.

Darum kann ich abschließend nur sagen, dass dieses Buch eine sehr gute Einführung in den Konstruktivismus ist, die verschiedenen Begriffe, Ansätze und Thesen auf eine sehr einleuchtende Weise erklärt wird. Man mag mit den Ideen des Konstruktivismus konform gehen oder nicht, aber an diesem sehr interdisziplinär angelegten Denkansatz wird man nur schwer in den einzelnen Natur- als auch den Geisteswissenschaften dran vorbeikommen.

Der Herausgeber
Paul Watzlawick, am 25. Juli 1921, in Villach/Kärnten geboren, studierte Philosophie und Sprachen. Ausbildung in Psychotherapie am C.G.-Jung-Institut in Zürich. 1957– 1960 Professor für Psychotherapie in El Salvador; seit 1960 Forschungsbeauftragter am Mental Research Institute in Palo Alto/Kalifornien. Außerdem lehrte er an der Abteilung für Psychiatrie der Stanford University.

Wichtigste Veröffentlichungen:
»Menschliche Kommunikation (mit Janet H. Beavin und Don D. Jackson, 1969)
»Lösungen« (mit John H. Weakland und Richard Fisch, 1974)
»Wie wirklich ist die Wirklichkeit?« (1976)
»Die Möglichkeit des Andersseins« (1977)
»Gebrauchsanweisung für Amerika« (1978)
»Die erfundene Wirklichkeit« (Hrsg., 1981)
»Die Unsicherheit unserer Wirklichkeit« (mit Franz Kreuzer, 1982)
»Anleitung zum Unglücklichsein« (1983)
»Vom Schlechten des Guten oder Hekates Lösungen« (1986)
»Münchhausens Zopf« (1988)
»Interaktion« (Hrsg. mit John H. Weakland, 1990)
 

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